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VOM FACEBOOK-EXPERIMENT & EMOTIONSGELADENEN VERSUCHSKANINCHEN

04.07.2014 um 12:07 Uhr von Sabine Schmidl

Die Angst geht um. Nachdem sich die Freunde des World Wide Webs von der NSA Affäre und Überwachung erholt haben, steht schon der nächste Schock vor ihrem Laptop…ähm Tür. Unsere heile Facebook-Welt wurde zerstört. Zu Versuchskaninchen wurde so mancher User gemacht. Gewünschte Reaktionen und Emotionen wie Häschen aus dem Hut gezaubert. Was hat Facebook mit uns gemacht? Fühlen wir uns noch Sicher? Oder verlassen aufgrund dieses Experiments User-Massen das Facebook-Zuhause?

VOM FACEBOOK-EXPERIMENT & EMOTIONSGELADENEN VERSUCHSKANINCHEN

Wir wissen es nicht. Zumindest noch nicht oder nicht so genau, wie wir es gerne hätten. Aber klar ist, dass es sich hier um einen Tabubruch handelt. Das Facebook uns manipuliert. Beeinflusst. Unsere Reaktion auf bestimmte Ereignisse testet und detailliert festhält. Am besten also den Laptop zuklappen, das Tablet ausschalten und an die Wand schmeißen. Hm, halt… das ist wohl nicht die sinnvollste Lösung. Schon gar nicht, wenn man keine Laptop-Versicherung oder Tabletversicherung abgeschlossen hat. Lieber vorher einige Gedanken zu diesem Thema machen.

Das Experiment:

Aber über was sind wir eigentlich so empört? Schließlich ist jeder selbst dafür verantwortlich, welche Informationen er über sich ins Internet bzw. auf das besagte Portal stellt. Das stimmt. Allerdings kann man sonst selbst entscheiden, was man sehen möchte oder nicht. Genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Denn im Januar 2012 entschied sich Facebook dazu knapp 700.000 zufällig ausgewählten Nutzern manipulierte Statusmeldungen von Freunden zu zeigen. Dabei wurden die eigentlichen Meldungen zwar inhaltlich nicht verändert, jedoch vom Social Network in positive und negative Anzeigen unterteilt. Je nachdem in welcher Versuchsgruppe man sich befand, nahm man nun hauptsächlich am fröhlichen Leben seiner Freunde teil oder glitt mit hinab in die traurige Welt.

Warum? Was soll das? Es diente natürlich, wie sollte es anders sein, der Wissenschaft. Eine Gruppe von Forschern zweier Universitäten wollte herausfinden, ob das soziale Netzwerk Einfluss auf die Gefühle der Nutzer nehmen kann. Das Ergebnis? Ja. Facebook beeinflusst uns. Aber keine Angst. Die Auswirkungen waren sehr gering, jedoch durchaus statistisch signifikant.

Die Facebook-Grauzone

War das Experiment legal? Darf Facebook das? Eine durchaus berechtigte Frage. Wir sind nicht die Ersten, die sie stellen. Zum einen ist es sicherlich fraglich, da die Versuchspersonen nicht über ihre Teilnahme informiert wurden. Spricht man das Netzwerk allerdings auf diesen Punkt an, so wird man auf die Nutzungsbedingungen verwiesen. Und tatsächlich, nach längerer Suche stößt man auf diverse Passagen, die durchaus auf solche Experimente ausgelegt sein könnten. Beispielsweise heißt es in Bezug auf die „Datenverwendungsrichtlinien“, dass Facebook verschiedene Informationen über den Nutzer, unter anderem für interne Prozesse, verwenden darf. Interne Prozesse, aha… Zum Glück ist dieser Terminus in den Nutzungsbedingungen genauer definiert. Unter „internen Prozessen“ versteht Facebook neben der Fehlerbehebung und Datenanalyse auch Tests sowie Forschungszwecke.

Fazit: Achtung, dies ist ein Test

Naja, Facebook hat dank dieser Bedingung zwar seinen Kopf aus der Schlinge gezogen, doch genügt dieser Hinweis? Müssten Versuchsteilnehmer nicht vielmehr offiziell informiert und darauf hingewiesen werden, dass sie an einem Experiment teilnehmen? Eine sehr schwierige Frage. Allgemein ist dies ein Problem, dem psychologische Experimente gegenüberstehen. Und es gibt viele Experimente, welche dem menschlichen Verhalten auf den Grund gehen. Zum Beispiel in Einkaufszentren, in welchen mit Musik und Düften, die die Shopping-Laune der Konsumenten gefördert wird. Doch im Normalfall wissen die Probanden, dass sie Teil eines Versuchs sind. Wirklich?

Nein, denn sobald die jeweiligen Personen darüber informiert werden, dass sie an einem Versuch teilnehmen, verhalten sie sich anders. Sie sind vorbereitet. Erwarten das Unerwartete. Intuitive Reaktionen sind somit größtenteils ausgeschlossen. Um das Verfälschen von Ergebnissen zu vermeiden, werden Probanden psychologischer Tests, wie dem Facebook-Experiment, selten über ihre Teilnahme aufgeklärt.

Was lernen wir daraus? Wir sollten mit Vorsicht durchs Leben und Internet wandern. Denn wieder einmal wurde uns bewiesen, wie einfach wir doch durch Medien und Nachrichten zu beeinflussen sind.

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