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FAHRRADHELM DEBATTE – JA ODER NEIN ZUR HELMPFLICHT?

04.04.2014 um 16:04 Uhr von Sabine Schmidl

Ein Sturz, ein Schrei, ein Aufprall. Du liegst am Boden. Dein Fahrrad neben Dir. Nicht nur das Rad ist völlig verbogen - nein, auch Du hast einiges abbekommen. Dein Kopf schmerzt und blutet. Um das Bike machst Du Dir in diesem Moment wenig Sorgen, schließlich kümmert sich Deine Fahrradversicherung um die entstandenen Schäden. Aber was ist mit Deinem Wohlergehen? Hättest Du mal besser einen Helm getragen, dann wären die Kopfschmerzen nur halb so schlimm. Hast Du vielleicht sogar die deutschlandweite Helmpflicht missachtet?

Im Auto der Gurt - Auf dem Rad der Helm

So stellen sich Sicherheitsfreunde die Welt vor. Gut geschützt wo man steht und geht. Aber bislang ist das leider nicht der Fall. Zwar gilt im Auto die Anschnallpflicht, doch sind Helm und Fahrrad weit von einer gemeinsamen Zukunft entfernt. Ein Gesetz zur allgemeinen Helmpflicht in Deutschland gibt es demnach noch nicht. Doch Diskussionen um dieses Thema existieren einige. Häufigste Frage dabei ist der Nutzen des Fahrradhelms. Wird er überschätzt? Bringt eine Pflicht vielleicht sogar mehr Schaden als Nutzen?

FAHRRADHELM DEBATTE – JA ODER NEIN ZUR HELMPFLICHT?

Die freie Wahl der Sicherheit

Noch gibt es keine Pflicht. Die Entscheidung liegt ganz bei Dir. Laut Umfrage verzichten immerhin 50 Prozent der Radfahrer in Deutschland auf einen Helm auf. Lediglich 13 Prozent treten eine Radtour mit Kopfschutz an. Oft hängt das Helmtragen von der Gesellschaft ab. Mit wem bin ich unterwegs? Tragen die Gefährten einen Helm, so bin auch ich gewillt diesen aufzusetzen. Genauso sieht es in Begleitung von Kindern aus. Aus Rücksicht auf Kinder greift man im Sinne der Vorbildfunktion vermehrt zum Kopfschutz.

Wie sieht es bei Dir aus? Vielleicht erleichtert Dir ein Urteil des Oberlandesgerichts Schleswig die Entscheidung. Schließlich wies dieses einem Radfahrer nach einem Unfall eine Teilschuld zu. Dieser war von einem Auto angefahren worden und verletzte sich dabei schwer am Kopf. Die Begründung lautet wie folgt: mit Helm wäre die Verletzung nicht so schwer ausgefallen. Gibt Dir das zu denken? Hier kannst Du weiteres zu diesem Urteil lesen.

Helm oder kein Helm – das ist immer noch die Frage

Die Fronten sind und bleiben verhärtet. Helm-Gegner argumentieren damit, dass Fußgänger bei einer Helmpflicht auch eingeschlossen werden müssten. Sind diese im Straßenverkehr doch genauso gefährdet. Die andere Seite liefert Argumente auf gleichem Niveau. Mit der kurzen Begründung „ein Helm schützt“, hat sich die Diskussion für sie erledigt.

Weitere schlaue Leute haben sich mit diesem Thema beschäftigt. So wurde beispielsweise eine Kosten-Nutzen-Analyse der Helmpflicht durchgeführt. Das Ergebnis: ein Helm schadet mehr als er nützt. Zumindest aus kostentechnischer Sicht. Klingt seltsam, nicht? Zugrunde liegt hier die Annahme, dass die Mehrheit der Bevölkerung bei Einführung der Helmpflicht ganz auf das Fahrradfahren verzichtet. Das wirkt sich zum einen auf die Umweltkosten aus, da entsprechende Personen auf Auto, Bus & Co. umstellen. Ebenso steigt das gesundheitliche Risiko. Indem das Bike im Keller verstaubt, fehlt der tägliche Sport, welcher das Risiko auf Herz- und Kreislauferkrankungen mindert. Demzufolge erhöht sich sowohl die Krankheitsanfälligkeit als auch die Zahl der Arztbesuche.

Das ist völlig aus der Luft gegriffen? Nein. Denn untermauert wird diese These von Erfahrungen, die man in Australien gemacht hat. Dort wurde eine Helmpflicht eingeführt. Daraufhin war ein Rückgang der Radnutzung in Städten zu erkennen. 20 bis 40 Prozent der ehemaligen australischen Radfahrer verzichten seither auf den Drahtesel.

Was heißt das für uns?

Zusammenfassen lassen sich die folgenden, meist nicht allzu aussagekräftigen Begründungen, die für oder gegen den Helm Stellung nehmen:

Contra Helm:

  • Man sieht doof aus
  • Zerstört die Frisur
  • Man schwitzt im Sommer
  • Komfortverlust

Pro Helm:

  • im Falle eines Sturzes oder Unfalls verhindert er schwerwiegende Kopfverletzungen

Was Dich überzeugt, bleibt Dir überlassen. In jedem Fall solltest Du Dich bei der Planung einer Radtour informieren, ob diese Pflicht im jeweiligen Land besteht. Bisher gibt es eine Radhelmpflicht europaweit bereits in Finnland, Spanien, Tschechien, Schweden und Island. Neben Kopfschutz sollte man sich zudem immer Gedanken um eine Fahrradversicherung machen. Damit ist man wirklich rundum geschützt.